Referenzhandbuch der Bewegungsarten (Movement Types)

Konzeptionelle Einführung

In SAP ist die Bewegungsart (Movement Type) ein dreistelliger Schlüssel, der jede physische oder logische Bestandsveränderung klassifiziert. Sie ist das zentrale Steuerungselement für:

  • Mengenfortschreibung: Aktualisierung der Bestandsmengen in der Materialwirtschaft (MM).

  • Wertefortschreibung: Automatische Buchungen auf Sachkonten der Finanzbuchhaltung (FI/CO).

  • Bildsteuerung: Festlegung von Muss- und Kann-Feldern in der Transaktion MIGO .

  • Belegerstellung: Steuerung des Drucks von Begleitscheinen und Etiketten.


2. Vollständiger Katalog der Standard-Bewegungsarten

📥 Serie 100: Wareneingänge (Goods Receipts – GR)

  • 101: Wareneingang zur Bestellung (Standard-Zulauf).

  • 102: Stornierung des Wareneingangs zur Bestellung.

  • 103: Wareneingang in den WE-Sperrbestand (Nicht bewertet, Eigentumsübergang noch nicht erfolgt).

  • 105: Freigabe aus dem WE-Sperrbestand (Bestand wird bewertet und verfügbar).

  • 107: Wareneingang in den bewerteten WE-Sperrbestand (Eigentum bereits übergegangen, physischer Eingang steht noch aus).

  • 109: Wareneingang aus dem bewerteten WE-Sperrbestand (Physischer Eingang von 107).

  • 122: Rücklieferung an den Lieferanten (Bei defekter oder falscher Ware).

  • 161: Rücklieferung zur Bestellung (Wenn die Bestellposition als „Retoure“ markiert ist).

📤 Serie 200: Warenausgänge (Goods Issues – GI)

  • 201: Warenausgang für Kostenstelle (Interner Verbrauch).

  • 221: Warenausgang für Projekt (PSP-Element).

  • 241: Warenausgang für Anlage (Anlagenaktivierung oder -reparatur).

  • 251: Warenausgang für Verkauf (Direktverkauf ohne SD-Lieferung).

  • 261: Warenausgang für Fertigungsauftrag (Materialentnahme für die Produktion).

  • 291: Warenausgang mit beliebiger Kontierung.

🔄 Serie 300 & 400: Umbuchungen & Bestandsänderungen

  • 301: Umbuchung Werk an Werk (Einstufig).

  • 303 / 305: Umbuchung Werk an Werk (Zweistufig: Entnahme / Einlagerung).

  • 309: Umbuchung Material an Material (Änderung der Artikelnummer).

  • 311: Umbuchung Lagerort an Lagerort (Innerhalb eines Werkes).

  • 313 / 315: Umbuchung Lagerort an Lagerort (Zweistufig).

  • 321: Umbuchung aus Qualitätsprüfbestand in den frei verfügbaren Bestand.

  • 322: Umbuchung aus frei verfügbarem Bestand in den Qualitätsprüfbestand.

  • 343: Umbuchung aus gesperrtem Bestand in den frei verfügbaren Bestand.

  • 344: Umbuchung aus frei verfügbarem Bestand in den gesperrten Bestand.

  • 351: Warenausgang für Umlagerungsbestellung (STO – Stock Transport Order).

  • 411: Umbuchung Sonderbestand in Eigenbestand (z. B. Konsignationsbestand K).

  • 413: Umbuchung Eigenbestand in Kundenauftragsbestand (E).

  • 415: Umbuchung Eigenbestand in Projektbestand (Q).

⚠️ Serie 500: Eingänge ohne Bezug & Verschrottung

  • 501: Wareneingang ohne Bestellung (Ausnahmefall).

  • 511: Kostenlose Lieferung (Lieferantenmuster).

  • 551: Verschrottung aus dem frei verfügbaren Bestand.

  • 553: Verschrottung aus dem Qualitätsprüfbestand.

  • 555: Verschrottung aus dem gesperrten Bestand.

  • 561: Bestandserstaufnahme (Verwendet bei Datenmigration/Go-Live).

🚚 Serie 600: Versand und Lieferungen (SD-Integration)

  • 601: Warenausgang zur Lieferung (Verkauf an Kunden).

  • 641: Warenausgang zur Umlagerungsbestellung (Bestand im Transit).

  • 643: Warenausgang zur buchungskreisübergreifenden Umlagerung.

  • 651: Kundenretoure (In den Retourenbestand).

  • 653: Kundenretoure (Direkt in den frei verfügbaren Bestand).

📊 Serie 700: Inventurdifferenzen

  • 701: Inventurgewinn (Frei verfügbarer Bestand).

  • 702: Inventurverlust (Frei verfügbarer Bestand).

  • 711: Inventurdifferenz im Warehouse Management (Abgleich WM zu IM).


Kundenspezifische und Branchen-Serien (800 & 900)

Serie Kategorie Beschreibung
8xx Lokalisierung / Branche Länderspezifische Anforderungen (z. B. Brasilien/Indien) oder IS-Retail-Bewegungen.
9xx Custom (Z-Codes) Unternehmensspezifische Prozesse, die während der Implementierung definiert wurden.

Technische Regeln & Best Practices

Die Gerade/Ungerade-Regel

SAP folgt einer logischen Nummerierung für Stornierungen:

  • Ungerade Zahlen (n): Ursprüngliche Bewegung (z. B. 101).

  • Gerade Zahlen (n+1): Stornobewegung (z. B. 102).

Empfehlung: Verwenden Sie immer die Funktion „Stornieren“ in der MIGO, anstatt gerade Codes manuell einzugeben, um die Belegintegrität zu gewährleisten.

Sonderbestandskennzeichen (Special Stock)

Viele Bewegungsarten können mit einem Sonderbestandskennzeichen kombiniert werden:

  • K: Lieferantenkonsignation.

  • E: Kundenauftragsbestand.

  • Q: Projektbestand.

  • O: Bestand beim Unterlieferanten (Lohnbearbeitung).


5. Systemprüfung: So finden Sie die Codes in Ihrem System

Um die exakte Liste für Ihr Unternehmen (einschließlich Z-Codes) zu sehen:

  1. Transaktion OMJJ : Detaillierte Konfiguration (Beraterzugriff).

  2. Transaktion SE16N: Tabelle T156T (Filter auf Sprache DE).

  3. Transaktion MIGO: Nutzen Sie F4 auf dem Feld „Bewegungsart“ für eine suchbare Liste.